Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags

Artikel in der Nürtinger Zeitung vom 07.06.2010

Vertragsunterzeichnung in Nürtingen am 06.06.2010
Vertragsunterzeichnung in Nürtingen am 06.06.2010

Gestern Mittag wurde feierlich der Vertrag unterzeichnet: Aber die Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenbezirk Nürtingen und der Protestantisch-indonesischen Kirche in Luwu (GPIL) im Süden der Insel Sulawesi soll weit mehr sein als ein Stück Papier.
Von einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“ sprach Lydia Häußermann vom Arbeitskreis Pro Indonesia, vom „voneinander hören und voneinander wissen“ Dekan Michael Waldmann, vom „voneinander lernen“ Tini Pasande, die stellvertretende Kirchenpräsidentin, die zurzeit mit anderen Pfarrern aus neun indonesischen Kirchen und noch mehr Seelsorgern aus der ganzen Welt zum jährlichen Rat des in Stuttgart beheimateten Evangelischen Missionswerks in Süddeutschland (EMS) im Schwabenland ist. In Bad Herrenalb führt man Gespräche über Ökumene, aber vor allem über Armutsbekämpfung. Und es ergab sich für Tini Pasande die Gelegenheit zu einem Abstecher nach Nürtingen.

Vom EMS hatte sich Pro Indonesia auch Rat vor einer Erkundungsreise in das ferne Land eingeholt, für das man sich nun schon Jahrzehnte einsetzt und mit dem man eine formelle Partnerschaft in die Wege leiten wollte. Sieben Leute brachen 2008 vom Neckar dorthin auf und knüpften auf Sulawesi (Älteren wohl besser unter dem alten Namen Celebes bekannt, den die holländischen Kolonialherren verwendeten) die ersten Kontakte zur GPIL. Im Oktober vergangenen Jahres kam eine Delegation von dort nach Nürtingen, man verstand sich und tüftelte in einem heftigen Arbeitswochenende in Erkenbrechtsweiler den Kontrakt mit den Zielen der Partnerschaft aus, der danach von der Synode des Kirchenbezirks und den Gremien der GPIL abgesegnet wurde. Nach der offiziellen Unterzeichnung gestern kann er nun mit Leben erfüllt werden.

„Dass wir gute Zusammenarbeit praktizieren und voneinander lernen können“, ist die große Hoffnung von Tini Pasande, deren Amt man hierzulande als „stellvertretende Bischöfin“ beschreiben könnte. Das gelte sowohl geistlich wie im Alltagsleben. Sie freue sich sehr über die Gewissheit, „dass wir in Nürtingen Geschwister in Christus haben“. Das könne einem das Leben im größten muslimischen Land der Erde erleichtern. In manchen Gegenden funktioniere das Miteinander der Religion sehr gut, in manchen könne man das leider nicht behaupten. Es gebe allerdings keine Christenverfolgung in Indonesien, sagt Tini Pasande: „Wir dürfen unsere Gottesdienste feiern. Wir werden nur benachteiligt.“ Zum Beispiel, in dem an den staatlichen Hochschulen kaum Platz für christliche Studenten sei.

„Wir können erfahren, wie dort Kirche sein kann und muss. Und vielleicht zufriedener werden.“
Michael Waldmann, Dekan, Nürtingen

„Dass unser Blick geweitet wird in die weltweite Kirche“, hofft Michael Waldmann. Das Bewusstsein könne und solle wachsen, dass es weltweit Christen gebe, auch in muslimischen Ländern. Die Partnerschaft ermögliche es, zu hören, welche Probleme die hätten, sie ins Gebet einzuschließen und ihnen, wenn möglich, zu helfen. Man könne erfahren, „wie Kirche dort sein kann und muss“, und dadurch vielleicht lernen, „mit unserer eigenen Situation zufriedener zu sein“.
Ganz wichtig sind dem Dekan nun Begegnungen. Er denkt an den Austausch zwischen kirchlichen Berufsgruppen. Etwa an Erzieherinnen. Und Tini Pasande war ganz begeistert von der Idee, auch einmal die Kirchenmusiker zusammenzubringen. „Wir kennen bisher nur das Keyboard und unsere Bambus-Instrumente.“

Das Miteinander von Mensch zu Mensch ist auch das große Anliegen von Lydia Häußermann und Pro Indonesia: „Dazu gehört, dass man sich gegenseitig hilft. Und wir haben vor zwei Jahren gesehen, dass dort Hilfe dringend nötig ist.“
Luwu, das frühere Herrschaftsgebiet eines Toraja-Königs, sei eine bitter arme, landwirtschaftlich geprägte Region. Überaus interessant seien dort aber die Versuche, die Religionen zusammenzubringen. Der frühere Kirchenpräsident Diks Pasande (Tinis Ehemann) habe da eine bemerkenswerte Initiative ergriffen. Motto: „Miteinander im Gespräch sein, um Konflikte schon im Entstehen einzudämmen.“ Grundsatz dabei sei, eben nicht über Religion zu reden, sondern über den ganz normalen Alltag und dessen Probleme. Das hält Lydia Häußermann für einen ganz bemerkenswerten Ansatz, sich in unterschiedlichen Kulturen zu begegnen, und vielleicht auch für einen Impuls für ein Land mit umgekehrten religiösen Mehrheitsverhältnissen.
Darüber hinaus solle in dieser Partnerschaft aber auch die christliche Grundüberzeugung leben: „Wir möchten für unsere Nächsten in Indonesien da sein.“ Da sei es toll, dass mit Retno Gröppel aus Frickenhausen eine gebürtige Indonesierin zum Team von Pro Indonesia gehöre, die Sprachbarrieren überbrücken und Kontakte knüpfen könne.

Jürgen Gerrmann, Nürtinger Zeitung

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