„Alle waren unendlich dankbar“ – Bericht der Nürtinger Zeitung

Nürtinger Zeitung, 05.11.2015, VON JÜRGEN GERRMANN

18 000 Euro haben unsere Leser bei der 23. Auflage unserer Aktion „Licht der Hoffnung“ für Kinder in Indonesien gespendet. Kurz bevor am Martinstag, dem 11. 11., die 25. Auflage startet, waren sieben Menschen aus Nürtingen und seinem Umland im Süden der Insel Sulawesi – und sahen, wie viel Gutes mit diesem Geld bewirkt wurde.

Besuch eines Kindergartens auf Sulawesi
Besuch eines Kindergartens auf Sulawesi

Retno und Manfred Gröppel, Anja Henzler, Lydia Häußermann, Dieter Oehler, Georg Stephan und Martin Vatter besuchten als Repräsentanten des Vereins Pro Indonesia den Partnerbezirk des evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen. Diese Verbindung mit dem früher Celebes genannten Eiland besteht seit 2009.

Elf Kindergärten haben von den Spenden unserer Leser profitiert. Und die Schwaben sorgten damit für große Freude bei über 500 Kindern. „Manche dieser Kindergärten bestehen nur aus Bretterverschlägen, manche sind gemauert – aber immer sind sie sehr kärglich ausgestattet. Viele Kinder müssen auf dem Boden sitzen“, erzählt Anja Henzler.

Mit dem Geld von „Licht der Hoffnung“ konnten nun Tische, Stühle und Spielgeräte angeschafft werden, die von Handwerkern vor Ort angefertigt wurden: „Auch die haben von der Aktion profitiert“, freuen sich Henzler und das ganze Team.

Freude herrschte natürlich auch bei den Kindern: „Alle wollten sofort an die Schaukeln und Rutschen ran. Das ist für die eine Super-Attraktion“, sagt Lydia Häußermann.

Mit dem Geld aus Nürtingen wurden übrigens auch Fortbildungs-Wochenenden für die Erzieherinnen ausgerichtet: „Für viele war das eigentlich die Erstausbildung“, berichtet Dieter Oehler. Und Anja Henzler ergänzt: „So gut wie niemand in den Kindergärten ist dort ausgebildet.“ Viele der Erzieherinnen hätten sich dabei zum ersten Mal gesehen: „Die Verkehrsverhältnisse sind eben nicht so wie bei uns. Für 20 Kilometer kann man dort schon mal drei Stunden brauchen.“ Zudem habe die Luwu-Kirche kein Geld. Viele Erzieherinnen arbeiteten daher so gut wie ehrenamtlich.

„Der interreligiöse Dialog ist uns wichtig“
Retno Gröppel, Pro Indonesia

Um Vorurteilen vorzubeugen: In die christlichen Kindergärten gehen laut Oehler und Häußermann auch muslimische Kinder. Und dort arbeiteten auch Erzieherinnen, die dem Islam angehörten. „Der interreligiöse Dialog ist uns wichtig“, sagt Retno Gröppel.

Übrigens: Die Kirchengemeinden müssen die Kindergärten selbst bezahlen. Von der Luwu-Kirche gibt es laut Oehler keinen Zuschuss. Bezahlen müssen die Eltern dennoch. Rund 30 Cent pro Monat, wie Lydia Häußermann errechnet hat. Wenn die Ernte in dem überwiegend von Bauern und Fischern bewohnten Gebiet schlecht ausfalle, würden die Kinder freilich dennoch unterrichtet. Und zuweilen bezahlen die Eltern dann in Naturalien dafür: mit Reis, Kakao oder Gewürznelken etwa.

Kindergärten genießen in Indonesien einen hohen Stellenwert. Sie seien eine Vorschule, in der die Kinder zwischen drei und fünfeinhalb Jahren lesen und schreiben lernten. Wer das nicht könne, dürfe gar nicht zur Schule, sagt Köhler.

Deswegen wird laut Henzler der Haupt-Wert aufs Lernen gelegt: Nur ein Fünftel der Zeit dürfen sie spielen. Und alle tragen Uniformen, damit die soziale und religiöse Zugehörigkeit in den Hintergrund tritt.

„Alle waren unendlich dankbar“, sagt Dieter Oehler. Und Retno Gröppel berichtet: „Pfarrer John, der uns die Reise über begleitet hat, war ganz überwältigt davon, dass nicht nur Christen gespendet haben, sondern auch Menschen anderer Religionen. Oder ohne Religion.“

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